Die Historie vom Pumphutt

Der Pumphutt gehört als ein "Volksheld" zu den Sagenfiguren der Oberlausitz.

Martin Pumphutt (Martin Niemec) wurde in der waldreichen aber auch sumpfigen sorbischen Heide in dem kleinen Dörfchen Spohla geboren.
Auf sorbisch heißt das Spale = das ist
"der Ort auf der Brandrodung".


Spohla, erstmals 1374 urkundlich erwähnt, liegt südlich von Hoyerswerda (Wojerecy) am Schwarzwasser, das in die Schwarze Elster fließt.

Foto: Haus No. 28 in Spohla

In einer ärmlichen Kate erblickte er als Kind armer Fronbauern das Licht der Welt.

Als Leibeigene, samt Land, Kate und Vieh gehörten sie als Untertanen zur Herrschaft des Klosters Marienstern in Panschwitz-Kuckau. Sein Vater (Jan Niemec) war ein Deutscher, der eine sorbische Bäuerin geheiratet hatte. Wann Pumphutt geboren wurde, daß weiß keiner.


Mit dem sorbischen Zauberer Krabat aus Schwarzkollm (Corny Chotmc) und Till Eulenspiegel ist Pumphutt entfernt verwandt. Schon in der Wiege und später in der Kindheit gab es merkwürdige Dinge. So habe man um seine Wiege sonderbare Schattengestalten gesehen. Eine Schlange leckte ihm sogar die Augen, so daß er hellsehend wurde. In der Dunkelheit sollen vor ihm immer kleine Flämmchen gehüpft sein. Und eine schwarze Zigeunerin wahrsagte ihm ein unruhiges, endlich aber reiches Leben. Zur Schule ging er nicht, denn für arme Dorfkinder gab es keine Schule.

Schnell wuchs er zu einem munteren Jungen heran, der in dem "Sackgassendorf" umhertollte. Als er dann kräftiger geworden war, erlernte er in der Untermühle (auch Niedermühle) das Müllerhandwerk. Dabei erlernte er wohl auch viele Zaubereien, denn die Leute glaubten, daß die Müller zaubern können. Wie seine Eltern sprach er gut sorbisch und deutsch. Martin Pumphutt hatte immer Streiche im Sinn. Zeit seines Lebens war er ein wandernder Schalk - der "Eulenspiegel der Oberlausitz", der als Müllerbursche von Mühle zu Mühle zog.

So erwanderte er auch eine Wassermühle in Slepo (Schleife). Wohl drei Wochen lang schuftete er dort bei einem geizigen Müllermeister. Doch als Lohn bekam er meist nur eine wässrige Suppe. Als er in seinem Ärger voller Wut mit der Hand auf den Holztisch schlug, blieb die Mühle stehen. Aus Angst vor den Zauberkräften Pumphutts mußte der geizige Obermüller schwören und eine Liste unterschreiben auf der stand, wie alle Mühlknappen fortan gut zu beköstigen sind.

Froh waren darüber die Müllerburschen in Schleife, aber auch alle anderen, wo Pumphutt auftauchte. So kam er auch nach Budysin (Bautzen), wanderte weiter nach Sora, das in luftiger Höhe lag, und wo es seit Jahrhunderten nur fünf Bauernhöfe gab und keine Sperlinge.

Auch bei Naumburg im Wethau-Tal will man Pumphutt gesehen haben. Dort befindet sich auch ein Stein mit Löchern, die Pumphutt mit seinem spitzen Hut hineingedrückt hat. Den Namen Pumphutt bringt man hier mit dem germanischen Gewittergott Donar in Beziehung.

Auf seinen Wanderungen von Mühle zu Mühle, bei seinen Streichen und Zaubereien trug er stets einen sehr hohen und spitzen Hut mit einer ungewöhnlich breiten Krempe.

Weil solche Hüte damals von den Pumpenbauern getragen wurden, nannte man den jungen Müllerburschen Pumphutt.

Mit diesem merkwürdigen Hut, dem die Menschen Zauberkräfte zusagten, vollführte Pumphutt seine Hexereien. Mit Geist und Witz, mit Geschicklichkeit und Körperkraft setzte sich Pumphutt für die alltäglichen Rechte der schöpferisch arbeitenden Menschen ein. In und um die Mühlen verhalf er stets dem Guten zum Durchbruch. Mit dem Bösen rechnete er scharf ab. Für eine gute Bewirtung und Herberge dankte er den Leuten mit allerhand Späßen und Scherzen. Wo er aber zu wenig Lohn bekam und Not leiden mußte, dort zahlte er es den geizigen Müllermeistern mit allerlei derben Streichen heim.

Weil er das mit Hilfe seiner Zauberkünste tat, wird er "Hexenmeister der Oberlausitz" genannt.
Ja, Martin Pumphutt war ein Mordskerl! Am Ende seines Lebens war er weder arm noch reich, aber fröhlich und glücklich.

Wo ist aber nun dieser Pumphutt geblieben? Niemand weiß es! Zuletzt hat man ihn wohl in Paderborn gesehen. Dort soll er seinen hohen, spitzen und breitkrempigen Hut zurückgelassen haben und ist seit dem verschwunden .-Und das war wohl vor 200 Jahren!-

Pumphutt in Wilthen

Hat der Schuldirektor Franz Rößler die Geschichten von Rudolf Gärtner und die Holzschnitte von Paul Sinkwitz in dem Mundartbuch "Bumphutt dr äbrlausitzer Hexnmeestr" (1928!) zum Vorbild genommen?

Pumphutt der Erste auf dem Sockel am Wilthener Paß
gegenüber der Waldgaststätte Jägerhaus
19. August 1939

Franz Rösler , ein ehemaliger Schuldirektor und Heimatschriftsteller aus Schirgiswalde hatte die Idee, den sorbischen Zauberer Krabat aus Schwarzkollm nachzubilden, und so entwarf er die Gestalt des " Äberlausitzer Pumphutts".

Im Auftrage des Wilthener Gebirgs- und Heimatvereins fertigte der Krippenschnitzer Franz Rosche aus dem Rosenhainer Neudorf (heute Rozany in Tschechien) die hölzerne Gestalt des Pumphutt in Mannesgröße an.

Am 19. August 1939 wurde dieser aus Holz geschnitzte Pumphutt feierlich auf seinen Sockel gestellt. Und zwar gegenüber der Waldgaststätte "Jägerhaus", dort wo der alte Böhmische Steig die Paßhöhe überschreitet, am sogenannten Wilthener Paß - zwischen dem 433 m hohen Adlerberg und dem 447m hohen Mönchswalder Berg.

Aufstellung der ersten Pumphutt-Figur
am 19. August 1939


Dieser Pumphutt hatte beide Arme ausgestreckt und zeigte mit dem linken Arm ins Wilthener Tal. Leider richteten Randalierer ihn mehrmals übel zu und zerstörten Teile von ihm. Mehr als elf Wilthener Einwohner retteten den stark beschädigten Pumphutt.
1956 wurde er vom Kunstmaler und Holzschnitzer Hans Thuma aus Wilthen restauriert. Aus Sicherheitsgründen wurde er nach dreijähriger Restauration am 1.Mai 1959 im Ort aufgestellt.

Als Wahrzeichen der Stadt Wilthen stand er auf dem Steinsockel, inmitten der mit Blumen geschmückten Verkehrsinsel an der Kreuzung Bahnhofs-, Weifaerstraße in der Nähe des Wilthener Museums. Er hielt beide Arme ausgestreckt,und in der linken Hand hielt er einen Wanderstock. Zu seinem Schutz wurde er jährlich während der Wintermonate auf dem Bauhof aufbewahrt, wo ihn Helmut Geisler pflegte und ausbesserte.

Nach mehreren Ausbesserungen, auch mit Kunstharz und Glasfasergewebe, wurde er wohl wetterbeständiger, aber nur noch am Zeigefinger der linken Hand war das ursprüngliche Material Holz zu erkennen.Sein Zustand wurde nicht besser. So wurde das Original, "Pumphutt der Erste", mit einem Wanderstock in der linken Hand im Foyer der Heimatstube aufgestellt, wo er seit 1994 zu bewundern ist.

 

 


Pumphutt der Erste
, restauriert mit einem Stock, steht seit 1994 auf einem neuen Sockel mit Inschrift im Foyer der Heimatstube in Wilthen

 

Wegen seiner Zaubereien wurde Pumphutt als Sagenfigur der Oberlausitz Ehrenbürger der Stadt Wilthen. Gleichzeitig wurde ihm der Titel "Hexenmeister der Oberlausitz" verliehen. Am 19.August 1999 hatte Pumphutt sein 60.Jubiläum. Erfreuen wir uns stets an seinem roten Rock, seinen Pluderhosen und den braunen Stiefeln sowie an seinem hohen und breitkrempigem Hut. Nehmen wir seine guten Eigenschaften in uns auf und geben sie weiter.

Ob er von Sora aus auf seiner Wanderung zu den Mühlen nach Süden sogar den Weg auf dem Böhmischen Steig über den Mönchswalder- bzw. Wilthener Paß nach Wilthen genommen hat? Könnte es sein, daß er sich in Wilthen gut an den Kiefermühlteichen und am Butterwasser auskannte? War er dort auch in der alten Papiermühle, wo er gut zugepackt hat ? Und ob er vielleicht gar auch in der Hübner-, Kiefern- und Himmelsmühle war, bevor er dann Wilthen in Richtung Nordböhmen verließ?


Pumphutt-Nachbildung " Pumphutt der Zweite" entstand als Auftragswerk des Stadtrates unter den geschickten Händen des künstlerischen Holzgestalters Herbert Michalz im März 1993.

Nach dem Original von 1939 und anhand einer historischen Ansichtskarte wurde die neue Figur in der Werkstatt von Detlef Pohl in Kleinwelka geschaffen.

In drei Wochen wurden Kiefernholzbohlen zu einem Grundkörper verleimt, mit der Motorsäge die Hauptkonturen ausgesägt und mit Spezialspeiteln die Feinschnitz- arbeiten ausgeführt (doch Kiefernholz ist zu weich! Und so ist jetzt der Sockel schon nach neun Jahren ohne Pumphutt. Er befindet sich bei einer schwierigen Reparatur. Jürgen Spottke sorgte für die Restaurierung und nun steht er wieder auf dem Sockel im Rondell).

Die Bemalung besorgte der im gleichen Betrieb tätige Jürgen Spottke. Diese Figur, die 15.000 DM kostete, wurde am 10.Juni 1993 auf den steineren Sockel auf der Verkehrsinsel beim Rathaus aufgestellt.

Pumphutt der Zweite
1993

Die Arme hat er ausgestreckt. Auf dem rechten Arm, der zum Bahnhof zeigt, sitzt ein kleiner Vogel. So bereichert "Pumphutt der Zweite", als das Wahrzeichen von Wilthen, seit 1993 das Stadtbild.


Aber der ursprüngliche Sockel von 1939 auf dem Wilthener Paß blieb leer. "Pumphutt der Dritte"; diese Figur mußte neu geschaffen werden. Das war der Entschluß der Wirtsleute Wähle. Denn die Forderungen Wilthener Kultur- und Heimatfreude und der Wirtsleute Wähle vom "Jägerhaus"nach 1990, das Original von 1939 wieder auf den leerstehenden Sockel zu bringen, konnten nicht erfüllt werden.

Mit Sponsoren aus der Umgebung, so dem Bauunternehmer Norbert Dietrich aus Tautewalde, der einen großen Baumstamm aus Eschenholz und seine Werkräume zur Verfügung stellte, sollte das Werk gelingen. So schuf der aus Neukirch stammende Bildhauer Matthias Jackisch in drei Monaten die zwei Meter hohe Nachbildung des
Original -Pumphutts.

Anhand von drei Photos von 1939 und der Farberinnerungen der Gastwirtstöchter Berger,schuf der Künstler ein Meisterstück.Von Tautewalde aus ging es durch Wilthen bergan bis zu dem alten Sockel gegenüber der Waldgaststätte "Jägerhaus".Die Blaskapelle Wehrsdorf, Kremser, Oldtimer, birkengeschmückte Festwagen begleiteten den Jagdwagen, auf dem Pumphutt aufrecht stand.

Die feierliche Aufstellung von "Pumphutt dem Dritten" am historischen Ort, erfolgte am 30.August 1998. Etwa 300 Menschen erlebten das feierliche Aufstellen, sangen das Oberlausitzlied und hörten den neuen Text "Er war ein Hexenmeister" von Hilmar Urban aus Obergurig zu einem bekannten "Wanderlied".

Pumphutt der Dritte 1998


Beim gemütlichen Frühschoppen wurde zum ersten Male die Likörspezialität "Pumphuts Zaubertrank" verabreicht. "Pumphutt der Dritte" hat beide Arme ausgestreckt und zeigt nun wieder - wie 1939 - mit dem linken Arm als "Hexenmeister der Oberlausitz" ins
Wilthener Tal.

"...mir liegt der Pumphutt wegen seines Gerechtigkeitssinnes und seines volksverbundenen Empfindens sehr am Herzen."
(Matthias Jackisch, Bildhauer. Er schuf Pumphutt den Dritten 1998)

Dem liegen auch die edlen Gedanken zugrunde, die uns der Schriftsteller
Bertold Brecht sagt: "Gerechtigkeit ist das Brot des Volkes."

Das 'Double', der "Pumphutt heute", bemüht sich, diese moralischen und menschlichen Werte in die Hirne und Herzen der Menschen zu tragen, mit dem Ziel, diese zum Nachdenken und zum aktiven Handeln anzuregen um bald die umfassende Gerechtigkeit erlebbar für alle Menschen zu machen.

Pumphutt in Mockrehna

Das in der Kirchturmspitze noch heute steckende Zimmermannsbeil ist gleichzeitig das Wahrzeichen von Mockrehna. Die letzte Urkunde von 1705 enthielt aber keinerlei Worte über das Beil. Allerdings steht fest, daß vor dem Umbau 1705 das Beil schon steckte und es lediglich durch ein neues, welches sich an der selben Stelle befand, ersetzt wurde.

In alten Chroniken und Legenden wird erzählt, daß um das Jahr 1705 ein Müllerbursche Namens Pumphutt lebte, von desselben Stärke und wunderbaren Kräfte sich bis auf unsere Zeit komische Erzählungen erhalten haben. Bei einem Streit sollte ihm das Beil abgenommen werden.
Er aber sprang davon und rannte zur Kirche.

Seine Verfolger bedrängten ihn und daraufhin schleuderte er sein Beil mit den Worten: "Ehe Ihr es bekommt, soll es zum ewigen Andenken in Eurem Turm stecken." Zu aller Verwunderung blieb es in beachtlicher Höhe in der Turmspitze stecken. Dort kann man es noch heute voller Staunen betrachten. Auf dem Dorfplatz an der Kirche steht heute eine Bronzefigur vom Pumphutt. Sie wurde geschaffen vom Künstler Gert Büttner.



Pumphutt in Wethau

„Im Burgenlandkreis (Naumburg, Zeitz, Weißenfels) hat sich um den mächtigen Hexenmeister ein eigener Sagenkreis gesponnen, den man „Pumphut“ nennt..Man will Pumphut mit Donar, dem germanischen Gewittergott, in Beziehung bringen.

Er schlug auch während eines Gewitters mit seinem spitzen Hut Nägel in einen Feldstein, der noch heute im Wethautal zu sehen ist. Wenn er abweisend behandelt wurde, dann strafte er mit gewaltigem Zorn. Unwiderstehlich vernichtete er seine Gegner.Von den Kinder war er deshalb als gefahrdrohendes Wesen gefürchtet.“


Dixmühle im Khaa-Tal

Schließlich erwanderte er auch Schluckenau (Sluknov) und Rumburg (Rumburk). Pumphutt kam im Jahre 1675 ins Khaa-Tal (Kyjov) in die seit 1571 bestehende herrschaftliche Brettschneidemühle, die zur Mahlmühle umgebaut wurde.

Beim Müllermeister Palme zeigte er seine schwarzen Künste, und wollte sich an der schönen Anna, der Tochter des Müllermeisters, versuchen. Deren Herz gehörte aber schon dem Mühlknappen Thomas. Dank der Treue und gottesfürchtigen Gesinnung der Müllerstochter konnten die Versuche vom Pumphutt verhindert werden. Daraufhin verschwand Pumphutt aus dem Khaa-Tal, um in anderen Ländern sein Unwesen zu treiben.

 

"Dixmuhle" im Jahre 1945



Dixmühle 2007


Pumphutt 12. Oktober 1941 (Original-Dia-Foto)


Köglers Naturpfad - Informationstafel - 2006

Pumphutt - seit 2006 im Hof der Dixmühle


Inschrift auf dem Mühlstein

Der Pumphutt vom 12. Oktober 1941 an der Dixmühle
befindet sich jetzt im Haus von Rudolf Kögler in Zahrady
2007

 


Noch heute erinnert der "Mühlschner-Stein"
am Kirnitzsch-Talbache an Pumphutt, der
diesen riesigen Steinblock auf seinen
Schultern trug.


Pumphutt auf dem Tollenstein

In Tschechien wird erzählt und schriftlich berichtet, dass es einen bärtigen Müllerburschen Pumphut gegeben hat. Es wird auch mitgeteilt, dass er mit Karl Stülpner, Karasek u.a. auf dem Tollenstein (Tolstejn) gewesen sein soll. Pumphut wird auch als Räuber bezeichnet, und es gibt ab Krasna Lipa (Schönlinde) den „Fußpfad des Räubers Pumphut“
(Im Internet: The Track of the Pumphut Bandit - 22 km)

Der "bärtige Räuber" Pumphutt mit dem Räuber Wilda (seit 1990)

Im „Krabat“ von O. Preußler, beschreibt der Müllerbursche Andrusch in der Schwarzen Mühle im Koselbruch sehr anschaulich den
wendischen Mühlknappen Pumphutt aus der Gegend von Spohla.

LINK zur Geschichte



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